Wieder einmal, wie auch die Jahre zuvor, erschien das erste Piktogramm des Jahres in Deutschland in unmittelbarer Nähe des Ortes Burghasungen bei Kassel . Und wiederum, wie auch die Jahre davor, erschien die erste Formation im blühenden Raps in der sogenannten Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai. Wir FGK Mitglieder aus Kassel lagen also völlig richtig mit unserer Prognose, dass es auch in diesem Jahr wohl nicht anders werden würde. Es war ursprünglich eigentlich nur eine spontane Idee von Klaus Listmann und mir selbst , uns einmal in der Walpurgisnacht auf " die Lauer " zu legen und zu beobachten, was da so vor sich geht. An Projekt "EB" (Entstehungsbeobachtung) fanden sich aber letztlich doch viel mehr Interessierte zusammen, als wir ursprünglich dachten, so dass es in der besagten Nacht ca. 20 Personen waren, die aktiv mitwirkten. Aufgrund der zahlreichen Mitwirkenden war es möglich, vier Gruppen zu bilden, die sich in der gesamten Gegend verteilten . Somit wäre es also möglich gewesen, dass, falls etwas passieren sollte, es zumindest einigen möglich gewesen wäre, etwas zu beobachten.
Ich denke, dass man sagen kann, dass wir für unsere Verhältnisse technisch perfekt ausgestattet waren : einige Videokameras, Fotoapparate, Sprechfunkgeräte, Trifeldmeßgerät, Bewegungsmelder und noch sonstige Sensoren und Geräte, um Anomalitäten in der Atmosphäre aufzuspüren und aufzuzeichnen.
P>Die vier Gruppen postierten sich also so, dass in keinem der in Frage kommenden Rapsfeldern etwas hätte passieren können, was nicht von irgendjemanden der Mitwirkenden gesehen worden wäre. Wir hatten uns die Plätze schon Wochen vorher ausgesucht. Wir wollten also:Wir trafen uns alle um neun Uhr abends an einem vereinbarten Treffpunkt und haben uns sehr gefreut, dort auch Frank Laumen und Bert Janssen anzutreffen , die scheinbar erst kurz vorher von unserer Aktion erfahren hatten. Sie wären wohl beide wohl auch auf eigene Faust dorthin gekommen, auch wenn unsere Aktion überhaupt nicht stattgefunden hätte. Kurzum, mit Anbruch der Nacht verschwanden die Gruppen in der Dunkelheit, und wir blieben alle in intensivem Funkkontakt, die ganze Nacht über. Wirklich jedes Auto, dass vorbeifuhr, wurde kritisch beobachtet, jeder Scheinwerfer war irgendwie verdächtig. Nichts hätte passieren können, was wir alle nicht mitbekommen hätten.
Mit fortschreitender Nacht kamen doch bei so manchem schon deutliche Ermüdungserscheinungen auf, aber die meisten hielten eisern durch. Schließlich hatten einige eine sehr lange Autoreise auf sich genommen, um bei dem vorausgesagten Ereignis dabei sein zu können. Selbst wenn nichts passiert wäre, wäre es trotzdem eine interessante Nacht gewesen. Um die Zeit zu überbrücken, unterhielt man sich in stockdunkler Nacht über Gott und die Welt, vergangene Englandreisen, auch über die vergangene Sonnenfinsternis und natürlich über Kornkreise und den Erfahrungen mit dieser Thematik.
Es muss ca. drei Uhr morgens gewesen sein, als alle übereinstimmend empfanden, dass es nun scheinbar noch viel dunkler sei als zuvor. Nach der Aussage von Wolfgang Ring muss es sich um einen plötzlichen Stromausfall in den Orten Zierenberg, Ehlen und Burghasungen gehandelt haben, der uns allen sehr merkwürdig vor kam. Es war für eine Zeit lang wirklich sehr finster, und alle hatten die selbe subjektive Empfindung : jetzt passiert irgend etwas!
Nichts aber, was man in Worte fassen kann. Nur das Gefühl, dass nun der rechte Moment da ist.
Zur großen Enttäuschung aller noch übriggebliebenen dämmerte allmählich der Morgen, und die Nacht schien Ereignislos vorübergegangen zu sein. Um ca. halb sechs Uhr morgens fanden wir uns nochmals an unserem Treffpunkt ein, und Projekt " EB " wurde dann für offiziell für beendet erklärt. Wäre da nicht die beeindruckende Inspiration von Klaus Listmann, doch abschließend noch einmal einen Blick auf das Rapsfeld zu werfen, welches sich von unserem Ausgangspunkt etwa 500 m entfernt befand, gleich hinter der Autobahn A 44, nur durch den Tunnel hindurch, gleich nach dem Tunnel auf der rechten Straßenseite.
Das Kreuz im Kreis markiert die Position der Formation.
Die Kreuze zeigen die Positionen von Nachtwachen in der Entstehungsnacht.
Da ich aber recht müde zu diesem Zeitpunkt war, beschloss ich, nach Hause zu fahren. Nachdem ich etwa drei Minuten unterwegs war und in Ehlen ankam, funkte mich Klaus Listmann an und beorderte mich sofort zurück. Er teilte mir die Entdeckung einer Formation per Funk mit. Sofort drehte ich wieder um und fuhr zu der besagten Stelle hinter dem Autobahntunnel. Als ich dort ankam, bauten gerade alle noch übriggebliebenen am Rand des Feldes gerade ihre Gerätschaften auf um sofort alles auf Film und Fotos festzuhalten. Ich denke, die meisten, die diesen kurzen Report jetzt lesen, können sich ungefähr unseren Jubel und die Freude vorstellen beim Anblick der neuen Formation. Obwohl sie von der Straße aus nur schemenhaft zu sehen ist, war uns sofort klar was wir hier haben ! Ich kann definitiv sagen, dass die Formation am Abend vorher noch nicht da war, denn nicht nur ich selbst, sondern auch z.B. Wolfgang Schöppe ist am Abend zuvor die Straße mit dem Auto entlang gekommen und hat definitiv dort keine Formation gesehen . Entdecker der Formation ist aber nicht Klaus Listmann, wie ich auch zuerst dachte, da er mich über Funk verständigt hatte. Als Entdecker können Frank Peters und Sascha Jakoblew festgehalten werden.
Man kann also sagen: Projekt EB hatte leider keinen Erfolg, eine Formation ist aber trotzdem entstanden. Die wahren Kornkreismacher haben schon eine gewisse Art von Humor, wie wir alle fanden. Es ist uns genauso ergangen wie so vielen zuvor. Viele haben es vor uns versucht und sind genauso gescheitert. Das lässt nur meine persönliche Schlussfolgerung zu: die wahren Kornkreismacher, wer auch immer das ist, das soll jeder selber beurteilen, wussten ganz genau was wir geplant hatten. Sie ließen sich aber nicht von ihrem Vorhaben abbringen und ließen trotzdem eine Formation entstehen, gerade soweit von uns entfernt und " um die Ecke " , so dass wir es gar nicht sehen konnten. Wir alle dachten, dass WIR das Phänomen beobachten können, aber die Wahrheit ist wohl, dass WIR selbst beobachtet wurden und wir eigentlich eine kleine Lektion bekommen haben. Aber wir waren trotzdem sehr nah dran ! Ich denke, dass Projekt EB im kommenden Jahr erneut zum Leben erweckt wird mit " Projekt EB, Teil 2!".
Dies ist eine ungefähre Skizze
Längste Ausdehnung etwa 25m.
Der Raps liegt im Uhrzeigersinn.
(c) 2000 Dirk Möller
Und nun einige Daten zu der Formation selber : die Rapsformation liegt an einem leichten Hang und ist insgesamt etwa 25 Meter lang, eine Art Hantelformation mit zwei unterschiedlich großen Kreisen. Der untere der beiden Kreise, welcher näher zur Straße liegt, hat etwa einen Durchmesser von zehn Metern, der obere etwa einen Durchmesser von sieben Metern. Beide Kreise sind durch einen Gang verbunden, der etwa acht Meter lang ist. Der Verbindungsgang ist leicht gebogen, etwa im 30 Grad Winkel. Als Besonderheit weist der größere Kreis, der näher zur Straße liegt, einen runden Block stehenden Raps aus, der etwas versetzt vom Mittelpunkt des großen Kreises liegt, etwa zwei Meter nach oben verlegt. Dieser Block mit stehendem Raps hat etwa einen Durchmesser von zwei Metern. Zusätzlich weist die Formation zwei Grapeshots auf, die sich je links und rechts des Verbindungsganges befinden. Beide Grapeshots haben etwa einen Durchmesser von zwei Metern. Als Besonderheit weist der linke Einzelkreis neben dem Verbindungsgang der beiden großen Kreise eine einzige (!) stehende Rapspflanze im Mittelpunkt auf. Der gesamte Raps war insgesamt sehr schön niedergelegt, kaum eine Pflanze gebrochen, alle sehr schön gebogen. Die Flussrichtung des niedergelegten Raps war in allen Kreisen im Uhrzeigersinn.
Frank Peters und ich selbst waren die ersten, die die Formation über die Traktorspuren betraten. Ich bin der Überzeugung, dass die Formation echt ist, d.h. nicht von Menschenhand erschaffen. Da es sehr nass war, hätten Fälscher Spuren hinterlassen müssen. Der Boden war sehr aufgeweicht und wies nicht eine einzige Fußspur auf! Erst wir selber waren die ersten, die dort Fußspuren hinterließen. Wer nun wieder denkt, dass Klaus Listmann wohl der mögliche Macher dieser Formation ist, den muss ich absolut enttäuschen. Die Formation wies auch nicht die leiseste Spur einer "menschlichen" Verursachung auf. Ich betone es noch einmal : ich habe sämtliche in Frage kommenden Traktorspuren untersucht. Wir selbst waren die ersten, die dort Spuren hinterließen . Auch die Rapspflanzen selbst waren sehr sauber gebogen und nicht gebrochen. Erst nachdem wir selber im Feld waren, konnte man deutlich sehen, dass jetzt Spuren hinterlassen werden. Ich denke, dass es bei diesen nassen Bedingungen einem menschlichen Fälscher absolut unmöglich ist, keine Spuren zu hinterlassen. Menschliche Verursacher würde ich bei dieser Formation ausschließen.
Fazit: Eine echte Formation, wie es scheint. Durch die Kontinuität, durch das pünktliche Erscheinen lässt sich eventuell jetzt schon eine Prognose für das Kornkreisjahr 2001 aufstellen. Ich persönlich weiß schon ganz genau, was ich nächstes Jahr am 30. April mache ...
Aber als nächstes stehen erst einmal die Kreise in Dorla an, und das wahrscheinlich auch schon sehr bald. Ich vermute einmal, es wird sich hier wieder einmal in einer Vollmondnacht abspielen.
Warum? Weil es immer so war. Warum sollte es dieses Jahr anders sein ?
Dirk Möller, 2.5.2000, Kassel