Bemerkungen zu "geomantischen" Strukturen in und um Kassel

Christian Grubert, Schlangenbad

(Letzes Update: Wednesday, 21-Apr-2004 19:51:15 CEST )

Die Gesamtanlage von Schloß und Schloßpark Wilhelmshöhe in Kassel ist ein Kulturdenkmal von europäischem Rang. (1:208) Zusammen mit den Anlagen in der Karlsaue (1:205f) und der Landschaft westlich von Kassel bieten sie zahlreiche Anregungen für geomantische Studien.

Schon von weitem fällt dem Besucher des Herkules, eine 9m hohe Kupferfigur auf einem gewaltigen achteckigen Steinsockel ( Riesenschloß oder Oktogon ) auf dem Kamm des Habichtswaldes auf. Von diesem ziehen Wasserkaskaden und der "Bergpark" zum Schloß Wilhelmshöhe hinunter. Ursprünglich sollten die Wasserläufe bis zum Schloß und noch unter diesem hindurch führen. Doch das ehrgeizige Projekt scheiterte am immensen finanziellen Aufwand. Nur das obere Drittel der Kaskaden wurde fertiggestellt. Immerhin ist eine Zeichnung des italienischen Architekten Guerniero aus dem Jahre 1706 erhalten, die das ursprüngliche Konzept der Anlagen zeigt ( Abb. in 1, S.210).

Zur Orientierung folgt ein kurzer Abriß der Baugeschichte der Kasseler Anlagen und einiger anderer ausgewählter Objekte in der Umgebung.

Besondere Beachtung verdienen dabei die Aktivitäten von Landgraf Carl.

seit 1143 : Augustiner Kloster Weißenstein, 1528 aufgehoben

1606 - 1610 : Landgraf Moritz der Gelehrte ( 1572 - 1632 ) baut nach eigenen Entwürfen an der Stelle des Klosters ein Renaissance-Schlößchen als ein frühes Beispiel einer offenen, auf die Landschaft ausgerichteten Dreiflügelanlage.(1:208)

1654 - 23.März 1730 : Carl, Landgraf seit dem 21.November 1670

1686 : Ldgf. Carl gründet Carlsdorf

1688 : Hugenotten kommen nach Kassel

1689 : Ldgf. Carl läßt Schloß Veckerhagen durch Paul du Ruy erbauen

1696 : Planungen für den Herkules beginnen

1698 - 1710 : Paul du Ruy erbaut die Oberneustädter- oder Karls Kirche ( mit achteckigem Turm ) für die Hugenotten in Kassel

1699 : Ldgf. Carl gründet das heutige Bad Karlshafen

1701 : G. F. Guerniero kommt nach Kassel, neue Pläne für Herkules und Park

1701 - 1711 : das Orangerie-Schloß in der Karlsaue wird erbaut

1704 : Paul du Ruy baut die Kirche in Carlsdorf ( nördlich Kassel )

1706 : Begin der Arbeiten am Oktogon ( Herkules ) durch Guerniero

1707 : der Zwehrenturm (heute Teil des Fridericianums) wird zur Sternwarte ausgebaut (2:321)

1713 - 1717 : Bau der Herkulesstatue

1718 : Oktogon vollendet

1724 : Gestüt Beberbeck im Reinhardswald erbaut

1730 - ca. 1800 : Ausbau der Parkanlagen von Wilhelmshöhe und der Karlsaue zum englischen Landschaftspark

1747 - 1758 : Schloß Wilhelmstal (nördlich von Kassel) wird erbaut

1779 : Umbau des Zwehrenturms und Anlage des Friedrichsplatzes durch Simon Louis du Ry

1786 : Baubeginn von Schloß Wilhelmshöhe

um 1820 : Schloß Wilhelmshöhe wird vollendet

Läßt man einmal den Umstand außer acht, daß die Anlagen den Hintergrund zu einer pompösen, damals allerdings absolut zeitgemäßen, Selbstinszenierung des jeweiligen Herrschers abgeben sollten, ist über deren möglichen weiteren Sinn nichts bekannt. Hinweise finden sich aber, wenn man die Geschichte der hessischen Landgrafen studiert und wenn man die Schloßanlagen in Beziehung zu anderen Plätzen in der Umgebung setzt.

Dabei ist es interessant festzustellen, daß die Landgrafen seit Philipp dem Großmütigen (1504-1567) einerseits dem Protestantismus anhingen und andererseits enge Kontakte zum Orden der Rosenkreuzer unterhielten oder sogar Mitglied in einer rosenkreuzerischen Gruppe waren. Die Ziele dieser Gruppierungen lassen sich knapp zusammenfassen als die Suche nach der wahren Erkenntnis unserer menschlichen Herkunft, unserer Ziele, unserer Aufgaben und der Wegführung, aber auch nach dem Geist, der als schöpferische Kraft hinter allen Erscheinungen steht und für die Harmonie zwischen Kosmos und Natur verantwortlich ist. Dazu muß aber zuerst diese Harmonie in jedem selbst und zwischen den Menschen gefunden werden. (5:142f ) Dabei wurde der "echte Rosenkreuzer" als ein Idealtypus gesehen, dem es nahezukommen galt. Kein Mitglied der rosenkreuzerischen Gruppen hätte sich demnach als "echter Rosenkreuzer" bezeichnet. Ein Umstand, der zumindest teilweise erklärt, warum die scheinbar geheimnisvolle Organisation bis heute historisch schwer greifbar bleibt.

Ein weiterer Grund ist, daß die Protagonisten des Ordens auf dem Weg zur Verwirklichung ihrer Ziele in Konflikt mit einer in Dogmatismus und Verweltlichung erstarrten Kirche gerieten. Folgerichtig soll die Organisation deshalb unter anderem den Weg zur Reformation geebnet haben (5:12ff), mußte aber genauso folgerichtig im Verborgenen wirken.

Bereits Landgraf Phillip stand den Rosenkreuzern zumindest nahe. Er führte in Hessen die Reformation ein und veranstaltete das berühmte Marburger Religionsgespräch, das unglücklich endete und die Spaltung des Protestantismus festigte.

Ihm folgte Wilhelm IV "der Weise", der sich u. a. als Alchemist, Pharmazeut, Botaniker und Astronom betätigte. (5:46f)

Sein Nachfolger Landgraf Moritz "der Gelehrte" von Hessen (1572-1632) galt nicht nur als großer Förderer der Rosenkreuzer, sondern nahm vermutlich auch eine Führungsrolle in dem Orden ein. Unter seiner Regierung wurde Kassel zum Treffpunkt der Gelehrten, so daß die Stadt zeitweise "einer sprudelnden Quelle oder einem leuchtenden Stern" glich.(5:47)

Hervorzuheben ist u. a. sein "alchemistisch-Paracelsisches Netzwerk", dessen einzelne Mitglieder an unterschiedlichen Projekten arbeiteten und oft gegensätzliche Meinungen hatten. Von einer wirklichen Zusammenarbeit konnte daher kaum die Rede sein, doch flossen alle gewonnenen Erkenntnisse in der Person des Landgrafen zusammen. (9:141) Die Paracelsisch-alchemistischen Arbeiten von Ldgf. Moritz und seinem Kreis sind noch nicht eingehend untersucht worden. Sicher ist aber, daß Moritz weder das Alchemiestudium noch das der Paracelsischen Medizin als Hobby oder Zeitvertreib anging, sondern seine Studien als eine "allumfassende geistige Hingabe an eine hermetisch-chemische Weltanschauung" auffaßte. (9:143)

1606 begann er mit dem Bau von Schloß Weißenstein, dem späteren Wilhelmshöhe, und mit dem Riesenschloß, welches das damaligen Einweihungszentrum der Rosenkreuzer gewesen sein soll.(5:47f)

Da er aber nach dem Sieg Tillys über den dänischen König Christian IV. und den daran anschließenden Erfolgen der katholischen Liga die protestantische Sache für verloren hielt, dankte er 1627 ab. Das Einweihungszentrum der Rosenkreuzer wurde nach Schloß Gottorf in Schleswig verlegt. (5:50)

Einen zweiten Höhepunkt rosenkreuzerischer Aktivitäten erlebte Kassel dann unter Landgraf Carl (1654-1730), "einem Mann von musischem Wesen, von hoher Einsicht in seine moralischen Pflichten gegenüber dem Lande und seinen Untertanen". (5:119) Carl wurde allerdings durch die Vermietung hessischer Regimenter an die englische Krone, die diese im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg einsetzte, unrühmlich bekannt. Auf ihn gehen die wichtigsten Planungen und Bauten der Kasseler Schloß- und Gartenanlagen zurück.

Es scheint also so, als hätten die Landgrafen tatsächlich über Generationen hinweg an einem Gesamtkonzept gearbeitet. Sollte der Park von Wilhelmshöhe bzw. das Riesenschloß wirklich als rosenkreuzerisches "Einweihungszentrum" (was immer das sein mag) dienen, wie es SIEVERT behauptet hat ? (5:48) Und welche Funktion hatte dann der Herkules ?

Die Theorie der "Geomantie" geht unter anderem davon aus, daß bestimmte Punkte auf der Erdoberfläche, an denen sich eine bisher unbekannte Energieform konzentrieren soll (sog. "Orte der Kraft"), durch möglichst geradlinige Linien oder "Leylines" (im Folgenden kurz "Leys") miteinander verbunden sind. Eine recht aufschlußreiche und empfehlenswerte Bestandsaufnahme dazu gibt MAGIN 1996 (7).

Im dichtbesiedelten Europa lassen sich Leys praktisch überall konstruieren. Die englischen Forscher DEVEREUX und THOMPSON hatten aber 1987 aufgrund statistischer Berechnungen zeigen können, daß "echte" Leys maximal 40 km lang sein dürfen und mindestens 4 bis 5 Stationen enthalten sollten. (7:108f) Die im Folgenden beschriebenen Leys erfüllen diese Kriterien.

Steht man auf dem Turm der Desenburg (3:201), die sich auf dem Desenberg, einem Vulkankegel in der Warburger Börde, ca. 30 km westlich von Kassel, erhebt, so sieht man in Richtung Osten über den Dörnberg hinweg genau zum Herkules. Bei dem Dörnberg handelt es sich nun um einen schon in der Jungsteinzeit besuchten Berg, der in keltischer Zeit befestigt wurde, im frühen Mittelalter eine fränkische Burg trug und noch 1071 als Stützpunkt Kaiser Heinrichs IV gedient haben soll. (4) Er könnte der Ausgangs- oder Schnittpunkt von Leys sein. Das von Basaltdurchbrüchen gekennzeichnete Muschelkalkplateau des Berges weist heute mindestens drei kulturhistorisch bemerkenswerte Punkte auf: die "Helfensteine", in deren Felsspalten einige jungsteinzeitliche Scherben gefunden wurden, die "Wichtelkirche" und auf dem höchsten Teil die Reste der keltischen Wallanlage. Innerhalb dieser liegt der eigentliche Gipfel (579m). Von hier aus lassen sich hervorragend "geomantische Linien" erkennen und einmessen. Folgende Richtungen ziehen dabei unmittelbar den Blick an :

143° : Oktogon mit Herkules auf dem Habichtswald

237° : Zuerst schaut man auf Burghasungen mit seiner Kirche und dem auf einem darüber auf einem Bergplateau liegenden ehemaligen Kloster Hasungen. Die Längsachse der alten Kirche vom Dorf Burghasungen steht im 90° Winkel zur Ley. Steht man der Tür an der NE-Seite, schaut man genau auf den Dörnberg. Im Portal läßt sich eine starke Wasserader muten, die hier parallel zur gedachten Ley verläuft.

Scheinbar direkt hinter dem Hasunger Berg erhebt sich der etwa doppelt soweit entfernte Basaltkegel des 504 m hohen Weidelsberges. Er trägt die Weidelsburg.(2:294) Zwischen Burghasungen und der Weidelsburg läuft die Ley über Istha, welches vom Dörnberg aus unsichtbar hinter dem Hasunger Berg liegt.

327° : In dieser Richtung sieht man den Desenberg, der über einem Waldrücken hervorschaut.

Auf diesem liegt (unsichtbar) die Schartenburg (erb. vor 1124 (13:19)) und dahinter Niederlistingen. Weit hinter dem Desenberg liegt breit von Nord nach Süd gestreckt das Eggegebirge - die um den Desenberg ausgebreitete Warburger Börde ist unsichtbar.

Weitere Linien, die sich durch Kartenstudium vom Dörnberg ableiten lassen, seien kurz beschrieben :

25° : Erdwerk Calden (Fläche rund 14 Hektar, Gräben in den Kalk eingetieft, Zeitstellung

fortgeschrittener Abschnitt der Wartbergkultur (um 3000 v.Chr.), einheitlicher Bauplan und genaue Kontrolle seiner Umsetzung waren erforderlich (6)) - Grebenstein (Burg erb. 1273, Ort 1311 (13:17), Pfarrkirche St.Bartholomäus 1355 vollend. (1:193)) - Hombressen - Gestüt Beberbeck (Gründung von Ldgf. Carl 1724 (1:190)) - Gottsbüren (Wallfahrtsort seit 1350 (1:189))

49 ° : Hohenkirchen - Holzhausen - Hilwartshausen (ehem. Augustinerinnenkloster an der Werra, gegr. vor 960, Patrozinium St. Stephan (14:185ff))

275° : Bärenberg - Lütersheim - Arolsen (Die Residenzstadt Arolsen wurde um 1710 durch Graf Anton Ulrich, Freund des Ldgf. Carl, erbaut. Die Hauptstraße der barocken Stadtanlage verläuft Richtung 98° und ist damit genau auf den Dörnberg ausgerichtet. (Messung des Autors am 24.11.2000) An ihrem östlichen Ende steht nördlich und im rechten Winkel zu ihr die Schloßanlage. An Stelle des Schlosses stand im Mittelalter ein Augustinerinnen Kloster. (2:303))

Insgesamt entspringen am Dörnberg also mindestens 6 Leys. Die Linie Desenberg - Dörnberg - Herkules ist nun nicht ganz gerade, sondern macht am Dörnberg einen kleinen Knick nach Norden. Eine noch exaktere Gerade (Abw. lediglich 1° ) ergibt die vom Dörnberg aus nach SE zeigende Richtung 148° . Sie führt zum 1113 gegründeten Benediktinerkloster Guxhagen - Breitenau (2:375) an der Fulda.

Wie oben schon gesagt, zieht eine Ley vom Herkules durch den Bergpark über Schloß Wilhelmshöhe und die Wilhelmshöher Allee durch Kassel. Die Ley führt ganz knapp hinter dem Orangerieschloß in der Karlsaue vorbei - trifft den Bau also nicht !

Der Kasseler M.HERWIG nimmt an, daß der Bergpark als ein "Landschaftstempel" verschiedene Energiezentren enthält, die er in Analogie zu vermuteten Energiepunkten des menschlichen Körpers als "Chakren" bezeichnet. Dabei soll das Wurzelchakra im Bereich von Schloß Wilhelmshöhe liegen, während Stirn- und Kronen-Chakra im Bereich von Oktogon und Herkules liegen.(8)

Eine mögliche weitere Ley könnte vom Herkules aus Richtung 110° über Schloß Schönfeld zur Insel "Siebenbergen", dem südlichen Ende der Karlsaue, und weiter zur Kirche von Kassel - Waldau führen.

In der Gegenrichtung (273° ) führt die Linie Herkules - Wilhelmshöher Allee über Ehlen, Burghasungsn (s.o.) und Wolfhagen (Burg u. Stadt 1226 gegr., der Turm der St. Annen Kirche, 2. Hälfte 13.Jh., ist vom Burghasunger Berg durch einen Geländeeinschnitt gerade noch sichtbar, Hospitalkirche 1337 (2:294ff)) nach Volkhardinghausen (Augustinerinnenchorfrauenstift vor 1221, 1567 aufgehoben, 1624 abgebrannt (Informationstafel an der Ruine & 2:306)).

Eine weitere Linie läuft vom Burghasunger Berg (s.o.) aus Richtung 230° über die Weingartenkapelle und Netze (Zisterzienserinnenkloster seit 1228 (15:338)) nach Waldeck (Burg Anfg. 12.Jh., Pfarrkirche um 1300 (2:274))

Schließlich führt eine Ley von Netze Richtung 343° über Freienhagen, Volkhardinghausen (s.o.) und Braunsen nach Arolsen (s.o.).

Nicht unerwähnt bleiben soll, daß es in der Gegend westlich von Kassel in den letzten Jahren vermehrt zum Auftreten sogenannter "Kornkreise" gekommen ist. (10,11,12) Der Ursprung dieser Erscheinungen und die Antworten auf die Fragen, inwieweit ein Zusammenhang mit den hier beschriebenen geomantischen Strukturen oder generell mit möglichen radiästhetischen Phänomenen bestehen könnte, sind zur Zeit allerdings völlig unklar.

Weitere Linien im Gebiet

Von Korbach (Kilianskirche 8.Jh., (2:308ff)) führt eine Ley Richtung 42° über Twiste (roman. Basilika 1.Hälfte d. 12.Jh. (2:307)), Arolsen (s.o.), Wormeln (Zisterzienserkloster 1246 (3:201)) und Warburg (Kirche des Dominikanerklosters aus dem frühen 13.Jh. (3:180ff)) nach Borgentreich (Pfarrkirche St. Johannes, Vorläuferbau aus dem 13.Jh. (3:204)).

Von Fritzlar (erste Kirche 723 durch Bonifatius erb. (1:10&250ff)) führt eine Ley Richtung 329° über Züschen (1:249), den Heiligenberg, Naumburg (ggr. v. 1170 (1:219)),die Weingarten-Kapelle und die Weidelsburg (s.o.) nach Landau (Kirche wohl vor der Stadtgründung 1290 (1:43)).

Von Arolsen (s.o.) aus läuft eine Linie Richtung 66° über Volkmarsen (Pfarrkirche um 1260 (2:300), die Kugelsburg (um 1200 (2:299), Oberlistingen, Niederlistingen, Hofgeismar (gegr. um 1220, Liebfrauenkirche 11.Jh. (2:332)) zur Sababurg (erb. 1334 (13:16))

Eine weitere Linie verbindet Züschen mit dem benachbarten Steinkammergrab (16:373ff), dem Dorf Lohne und dem Wartberg (jungneolithische Höhensiedlung, Wartbergkultur (16:160ff & 457f), I.KAPPEL wies 1981 darauf hin, daß die Längsachse des Steinkammergrabes auf den Wartberg ausgerichtet ist. (17) Das dazwischen liegende Lohne übersah sie oder erwähnt es nicht. Lohne ist vom Grab aus nicht sichtbar. Die Angabe in (16:377), wonach das Grab auf den Hasenberg bei Lohne ausgerichtet ist, ist falsch.

Weitere Leys östlich vom Dörnberg

Eine Linie verläuft von Gudensberg Richtung 31° zum Orangerie-Schloß in Kassel. Dahinter schneidet die Ley eine Ecke des ehemaligen Stadtschlosses (Königshof seit 913 (2:315&318)) und die Brüderkirche (Karmeliterkloster seit 1292 (2:317)) Weiter läuft die Ley ohne markante Stationen zum Kloster Hilwartshausen an der Weser. Beide Orte (Gudensberg und Hilwartshausen) liegen etwa gleich weit von der Karlsaue entfernt - nämlich ca. 18 km. Das ehemalige Stadtschloß liegt sogar exakt in der Mitte zwischen beiden Orten. Der Bereich um das Stadtschloß wurde im 2.Weltkrieg völlig zerstört. Verschiedene, historische Ansichten rekonstruierende, Gemälde des Eschweger Malers Ernst Metz zeigen jedoch sehr schön das ehemaligen Aussehen dieses Teils der Stadt. (19:76+81)

Eine weitere Ley läuft von Fritzlar (s.o.) Richtung 57° über Werkel, Gudensberg (s.o.), Dissen, Grifte und Dörnhagen und dann über den Söhrewald nach Oberkaufungen (Stiftskirche von 1017 (1:222)).

Schließlich läßt sich eine Linie vom Schloß Wilhelmshöhe Richtung 148° über Fuldabrück und Dörnhagen nach Wollrode ausmachen.

Astronomische Visuren

Möglicherweise dienten manche Visurlinien im Gelände, die auf bestimmte astronomische Ereignisse hin orientiert waren, dem vor- und frühgeschichtlichen Menschen zum Festlegen von Daten und damit als Hilfsmittel bei der Erstellung eines Kalenders ( näheres dazu in (17), vgl. dazu aber auch (18:40&68f).

Vom Burghasunger Berg aus läuft die Visurlinie des nördlichen Mondextrems, gerechnet für 1800 v.Chr., durch das Erdwerk Calden, die für das südliche Mondextrem durch die Wallanlage bei Baunatal-Großenritte (jungneolithische und hallstatt- bis latènezeitliche Wallanlage (16:321)). Calden ist etwa 11 km, die Wallanlage von Großenritte 10,5 km, also fast genausoweit, vom Burghasunger Berg entfernt.

Weiter führt eine genau nach Süden zeigenden Linie (Visur und / oder Ley ?) vom Burghasunger Berg über Kloster Merxhausen (Augustinerchorherren-Doppelstift seit dem 13.Jh. (2:293)), Lohne und Haddamar nach Fritzlar. Kloster Merxhausen ist ebenfalls ca. 10,5 km vom Burghasunger Berg entfernt.

Eine weitere Visurlinie zeigt vom Wartberg aus Richtung 240° und fällt praktisch mit der Ley Züschen-Steinkammergrab-Lohne-Wartberg zusammen. Sie entspricht dem Sonnenuntergang bei einer Deklination der Sonne von -16° in der Nacht zum 1.November, an dem das keltische Samhain-Fest (bzw. das christliche Allerheiligen-Fest) gefeiert wurde bzw. wird. (18:30 ; 20:284ff)

Aus dem eben Dargestellten läßt sich sehen, daß die Bauwerke, die Landgraf Carl errichten ließ, zum größten Teil in ein möglicherweise existierendes Netz geomantischer Linien eingefügt wurden. Leider ist es mir nicht gelungen, den Ort Carlsdorf , die Strukturen der Karlsaue sowie weitere Anlagen innerhalb der Stadt in ein sinnvolles Gesamtkonzept einzugliedern, sofern man nicht davon ausgeht, daß Leys umgelenkt werden können. Lediglich die Mittelachse der Aue läßt sich, wie oben gezeigt, der Linie Gudensberg - Hilwartshausen zuordnen.

Zurück zum Herkules. Nimmt man an, daß sich tatsächlich Leys verändern lassen, wäre es denkbar, daß durch den Herkules die Ley vom Dörnberg über den Habichtswald und hinunter nach Wilhelmshöhe zuungunsten Anderer verstärkt wurde. Insbesondere die Ley vom Dörnberg nach Breitenau sollte dann hiervon betroffen sein. Als mächtige "Antenne" auf dem Rücken des Habichtswaldes könnte der Herkules Energie aus dem wichtigen "Kraftort" Dörnberg saugen und in Park und Schloß Wilhelmshöhe und hinunter in die Stadt Kassel leiten.

Die Konstruktion des Oktogons mit dem Riesenschloß, der Pyramide und der Herkulesfigur könnte dann vielleicht sogar Rückschlüsse auf die Art der möglicherweise hier fließenden Energien gestatten.

In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, daß die Kaskaden in der ursprünglichen Planung unter dem Schloß hindurch führen sollten. Möglicherweise haben die barocken Planer dem strömenden Wasser eine ähnliche Bedeutung zugemessen wie die mittelalterlichen Kirchenbauer, denn zumindest einige der mittelalterlichen Dome erheben sich über unterirdischen Wasserläufen (z.B. Paderborn (3:122) oder Hildesheim (18:6)). Die Architekten beider Epochen gingen anscheinend davon aus, daß das strömende Wasser eine bestimmte psychoaktive Energie transportieren kann.

Genutzt hat die der Stadt zugeführte Energie allerdings nichts. Am 22. Oktober 1943 sank die alte Residenz für immer in Schutt und Asche. Heute imponiert Kassel durch die Häßlichkeit der Nachkriegsarchitektur. Die Parkanlagen aber sind inzwischen wieder Orte der Erholung und geistigen Erbauung für den, der sich auf ihre Atmosphäre einzustellen vermag. Und auch wenn man nicht an "Leylines" oder "radiästhetische Energien" glaubt, so läßt sich der Aufstieg durch den Bergpark doch als großartige Metapher auf das menschliche Leben begreifen, dessen Wege fast nie gerade und planvoll verlaufen, sondern zumeist aus unübersichtlichen Windungen und mühseligen Anstiegen bestehen, die selten den Gipfel erreichen. Vielleicht ist dies die "Einweihung" der Rosenkreuzer.

Zum Schluß möchte ich darauf hinweisen, daß die hier geschilderten geomantischen Strukturen auf unbewiesenen Vermutungen, die zum Teil wiederum durch unbewiesene Vermutungen gestützt werden, und auf Gedankenspielereien beruhen und keinesfalls als "Tatsachen" weitergegeben werden sollten.

Schrifttum :

1 - GROSSMANN & HOPPE (1991) : Nördliches Hessen - Kunst-Reiseführer aus der Reihe Du Mont Dokumente, 2. Aufl., 399 S., Du Mont Buchverlag Köln

2 - BACKES, M. & FELDTKELLER, H. (1989) : Kunstreiseführer Hessen - Gondrom Verlag Bindlach ( unveränd. Nachdr. von : Belser Kunstwanderungen Hessen, Stuttgart1962)

3 - GROSSMANN, U.(1992) : Östliches Westfalen - Kunst-Reiseführer aus der Reihe Du Mont Dokumente, 5. Aufl., 322 S., Du Mont Buchverlag Köln

4 - HERRMANN, F.R. (1994) : Der Hohe Dörnberg und die Helfensteine. Führungsblatt zu den Ringwällen bei Zierenberg, Kreis Kassel - Archäologische Denkmäler in Hessen 100, Hg. Hess. Landesamt für Denkmalpflege, Wiesbaden

5 - SIEVERT, H.H. (1996) : Im Zeichen von Kreuz und Rose. Zur Geschichte der Rosenkreuzer Band 1 - Hg. C. ZERLING, 154 S., zahlr. Abb., Verlag Clemens Zerling, Berlin

6 - RAETZEL-FABIAN, D. & KAPPEL, I. (1991) : Erdwerk und Megalithgrab bei Calden. Mittelpunkt einer Region vor 5000 Jahren. Die Ergebnisse der Ausgrabungen 1988-1990 bei Calden, Kreis Kassel. - Archäologische Denkmäler in Hessen 91, Hg. Hess. Landesamt für Denkmalpflege, Wiesbaden

7 - MAGIN, Ulrich (1996) : Geheimwissenschaft Geomantie - 1. Aufl., 176 S., Verlag C.H.Beck, München

8 - HERWIG, Michael (1998) : Die Landschaftstempel der Stadt Kassel I. Teil Die Chakren im Bergpark Wilhelmshöhe - nicht pag. (ca. 20 S.), im Selbstverl. des Autors, Kassel

9 - MORAN, Bruce T. (1987) : Der alchemistisch-Paracelsische Kreis um den Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel (1572-1632) - Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Bd. 92, 131-146, 1 Abb., Selbstverlag des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde e.V., Kassel

10 - MÖLLER, Dirk (2000) : Erste Formation des Kornkreisjahres 2000 in Burghasungen entdeckt ! - FGK Report 2/2000, S.16-17, 2 Abb., Vento Verlag, Hauenstein

11 LISTMANN, Klaus & RITTER, Ralf (2000) : Kornkreis zwischen Zierenberg und Dörnberg - FGK Report 2/2000, S.19, 4 Abb., Vento Verlag, Hauenstein

12 - SEURIG, Max (2000) : Eine wellenförmige Spirale bei Zierenberg - FGK Report 2/2000, S.22-24, 2 Abb., Vento Verlag, Hauenstein

13 - BRAUNS, Eduard (1975) : Burgen unseres Landes Kurhessen-Waldeck - Skripta-Reihe, 62 S., einig. Abb., J. Fink Verlag, Stuttgart

14 - JÜNEMANN, Joachim (1997) : Das Pferd im heidnischen Kult und christlichen Brauchtum - 225 S., zahlr. Abb. u. Skizzen, im Selbstverlag des Autors

15 - Handbuch der historischen Stätten Deutschlands 4. Band Hessen (Hrsg. G.W.SANTE), 3. überarb. Aufl., 540 S., 15 Pläne, 8 Karten, Alfred Körner Verlag, Stuttgart

16 - HERMANN, F.R. und JOCKENHÖVEL, A. (Hrsg.) (1990) : Die Vorgeschichte Hessens, 533 S., 386 Abb., Konrad Theiss Verlag, Stuttgart

17 - KAPPEL, Irene (1990) : Das Steinkammergrab bei Züschen Denkmal europäischer Bedeutung in Nordhessen - Archäologische Denkmäler in Hessen Bd. 22 , 2. veränd. Aufl., Hessisches Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.), Wiesbaden 1990

18 - WERKMEISTER, Hans Friedrich (1995) : Umgang mit dem 1000jährigen Rosenstock zu Hildesheim - 33 S., zahlr. Abb., Verlag Gebrüder Gerstenberg, Hildesheim

19 - METZ, Harald (1999) : Historische Ansichten aus alten deutschen Städten Ernst Metz (1892-1973) Maler-Historiker-Poet - 124 S., zahlr. Abb., Keitz + Fischer Druck, Eschwege

20 - BOTHEROYD, Sylvia & Paul (1996) : Lexikon der keltischen Mythologie - 4. Aufl., (1. Aufl. 1992), 378 S., zahlr. Abb., Eugen Diederichs Verlag, München

Christian Grubert, Schlangenbad (Cgrubertde@Yahoo.de)
(Der Autor steht gern Rede und Antwort)


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