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Rapskreis bei Borchen/Paderborn 1999

Bericht von Markus Schröder


(Letzes Update: Thursday, 22-Apr-2004 09:48:24 CEST )


Am 6. Mai ging im Sekretariat der FGK ein "anonymes Fax" ein, das ziemlich unleserlich war. Scheinbar sollte es einen Kornkreis in der Nähe von Paderborn geben, zwischen den Dörfern Borchen und Alfen an der Autobahn Bielefeld Wünnenberg (A 33).

Am 8. Mai konnte sich ein Team auf die Suche machen. Das hügelige Gebiet Ausläufer des Sauerlandes bietet einige Möglichkeiten, Kornkreise vom Boden zu entdecken. Auf dem Autobahnstück auf der Höhe Borchen / Alfen gab es zwei Unregelmäßigkeiten zu sehen, die von Feldwegen aus schwer zugänglich waren. Beide stellten sich jedoch als nahezu runde Düngelöcher in den Rapsfeldern heraus. Der Raps auf dem kargen Boden war nicht so hoch gewachsen wie in der Umgebung und hatte zudem viel kleinere Blüten. Dadurch sah das Loch auf einige Entfernung wie ein Kornkreis auf.

Auf einer weiteren Spurensuche konnte von der Autobahn aus ein anderes Feld entdeckt werden, das vielversprechend aussah. Am Ortsrand von Wewer, einem Vorort von Paderborn, war ein Kreis mit Ring auszumachen. Die A 33 führt hier über eine längere Brücke, so dass die Felder an den Hängen gut einzusehen waren. Direkt neben der Autobahn in Fahrtrichtung Wünnenberg / A 44 (Süden) bei der Kilometermarkierung km 11,0 lag ein gut einsehbarer Kreis.

Über einige Umwege konnte der Kreis auf einem Feldweg erreicht werden. Eine Begehung der Formation war allerdings ziemlich ernüchternd. Zuerst einmal war die Formation deutlich älter. Die meisten Halme waren nach dem Umlegen ca. 40 cm hoch gewachsen, so dass wir annehmen können, dass der Kreis um den 1. Mai entstand. In der Nacht vor der ersten Begehung hat es beständig geregnet, so dass der Boden aufgeweicht war und nur wenige Spuren gesichert werden konnten. Anomalien konnten wir keine feststellen, weder am Kompass, noch an der Kamera oder am Raps. Durch in der Nähe arbeitende Landwirte wurde die weitere Arbeit gestört, so dass einige Unregelmässigkeiten erst bei der zweiten Begehung am 13. Mai festgestellt wurden. Bei der ersten Begehung war ich alleine im Kreis, was die Messungen erschwerte, die zweite Begehung fand zusammen mit Klaus Listmann statt.

Der Kreis mit zwei Außenringen war eindeutig "man-made". Die Ränder waren stark ausgefranst, so dass die Abmessungen der Ringbreite oft eine Abweichung von bis zu plusminus 10 cm vom angegebenen Mittelwert aufwiesen. Die Halme waren geknickt und zumeist zur Hälfte durchgebrochen. Besonders auffällig war jedoch, dass ich bei der ersten Begehung im Zentrum einen deutlichen Fußabdruck der Schuhgröße 44 fand. Die festgestellten Abweichungen deuten darauf hin, dass schnell, unsauber und mit unzureichenden Hilfsmitteln gearbeitet wurde.

Der Mittelpunkt wies ein Loch von der Dicke einer Zeltstange (ca. 25 mm) auf. Er lag wenige Meter von der einzigen Treckerspur entfernt, die direkt von außen zugänglich war. Der Raps war in allen Ringen und im Mittelkreis im Uhrzeigersinn gelegt, es gab keine Verwirbelungen oder in verschiedene Richtungen gelegte Schichten. In der gesamten Formation waren viele Halme stehengeblieben oder hatten sich wieder aufgerichtet. Der innere Kreis hatte einen Radius von sechs Metern am Ansatz natürlich der Treckerspur. Scheinbar war das Seil elastisch, denn der Radius wurde systematisch größer, bis er ungefähr fünf Meter vor Vollendung des Kreises knapp sieben Meter erreichte und wieder auf sechs Meter schrumpfte.

In einer Breite von ca. vier Metern wegen des eierigen Radius ist keine genaue Angabe möglich stand der Raps. In dem stehenden Getreide lag ein Grapeshot, genau nördlich vom Mittelpunkt. Der Zugang wurde vom Mittelkreis aus geschaffen, der ganz unten liegende Raps war vom Mittelkreis aus in Richtung Grapeshot gebrochen, der restliche Raps lag im Uhrzeigersinn in einer Form und Breite, die entsteht, wenn ein Mann von durchschnittlicher Größe (und Schuhgröße 44 J ) sich mit gespreizten Beinen im Kreis dreht: Ein Grapeshot mit dem Durchmesser von ca. zwei Metern, bei dem in der Mitte ein leicht verwirbelter Büschel stehenbleibt.

Dann war der erste Ring in das Feld gelegt, in einer Breite von sechs Metern. Auch hier ist deutlich der Anfang der Formation zu sehen. Nach Lage der Halme wurde auch hierbei die Messfehler des elastischen Seils nicht beachtet. Direkt im Norden (vom Mittelpunkt aus betrachtet) wurde begonnen, im Abstand von ca. zwölf Metern vom Mittelpunkt sich im Kreis zu bewegen. Kurz vor Ende der Runde sahen die Fälscher, dass sie mehrere Meter zu weit waren und führten den Kreis sehr abrupt zu Ende von 16 auf zwölf Meter zurück gehend. Dies ist an der unteren Halmlage zu erkennen. Um den Fehler zu vertuschen, wurde ein Ring von vier Bahnen mit ca. 1,50 Meter Breite gelegt, so dass eine Gesamtbreite von sechs Metern entstand, deren innerer Rand zehn Meter vom Mittelpunkt entfernt war. Die Ränder der Bahnen sind im gesamten Ring durchgehend zu erkennen. Die Entfernung von zehn Metern wurde wahrscheinlich durch eine Anzahl von Orientierungspunkten eingehalten, die in allen Richtungen vom Mittelpunkt entfernt zu finden waren und nicht immer vollständig getroffen wurden, so dass sie bis zum Auffinden des Kreises erhalten blieben. An der "Nahtstelle" wurde ein Grapeshot von ungefähr 1,50 m Durchmesser übrig gelassen. Er nahm genau die zweite Bahn von innen ein.

In zehn Metern Entfernung wurde ein zweiter Ring an einer Treckerspur im Nordosten angesetzt, der ungefähr einen Meter breit war (Erster Ring 10m, zweiter Ring 10 m. Preisfrage: Wie lang ist eine handelsübliche leider dehnbare Wäscheleine?). Nach ungefähr der Hälfte des Radius stellten die Macher eine Abweichung nach innen fest. Der Ring läuft im Westen spitz aus und endet direkt in einer Treckerspur. Der zweite Ansatz im Südwesten führt dann allerdings auch nicht zum Erfolg und endet in einem Grapeshot.

Innerhalb und außerhalb des äußeren Ringes laufen zusätzlich schmale Ringe von einer Fußbreite. Zwei von ihnen treffen am Ansatzpunkt auf den äußeren Ring. Vom Boden aus waren die schmalen Ringe nicht vollständig zu erkennen und zu vermessen. Vielleicht können die Fotos von Wolfgang Schöppe Klarheit bringen, der mit seinem Modellflieger Luftbilder der Formation gemacht hat.

Im Nordwesten befindet sich am äußeren Ring eine entgegen dem Uhrzeigersinn gedrehte Spirale, die in einem Grapeshot endet. Die Spirale verengt sich unregelmäßig und hat insgesamt einen Durchmesser von weniger als drei Meter.

Fazit: Die gesamte Formation ist eine eher schwach "man-made". Unscharfe Ränder, schwankende Breiten, Orientierung an Treckerspuren, Neuansätze, gebrochener Raps, Stangenloch im Mittelpunkt und Fixpunkte am Kreisrand sind deutliche Zeichen, die nicht sein müssen.

Über Macher und Hintergründe kann nur spekuliert werden. Eine Möglichkeit: Hier handelt es sich um den ersten Versuch der Zierenberger Fälscher (das über Landstraße 60 km, über die Autobahn 70 km von Paderborn entfernt liegt). Die Entstehungszeit ist ungefähr gleich, wie der nachgewachsene Raps zeigt, auch wenn die Entdeckung in Paderborn viel später war. Nach der schwachen Vorstellung (als Übung?) in Paderborn könnte eine besser gemachte Formation in der bekannten Kornkreisgegend um Zierenberg / Burghasungen versucht worden sein, wo man nicht so stümpern wollte. Anlage und Aussehen stimmen in den beiden Formationen überein. Aber das ist nur eine Vermutung.

He, noch eine für diejenigen, die nicht an Fälscher glauben: Die Entfernung der Formation bei Wewer vom Flughafen Paderborn/Lippstadt entspricht der Entfernung der Burghasunger Formation zum Regionalflugplatz Kassel-Calden. Zufall?


Markus Schröder

Die Karte (von Frank Laumen) zeigt die Position des Rapskreises (rotes Kreuz) und eine Stelle, von der man den Kreis gut sehen kann (schwarzes Kreuz).

Karte: Frank Laumen


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