von Uwe Engelmann
Skizze/Foto: © Uwe Engelmann
Auch der Süden Deutschlands wurde dieses Jahr von
Kornkreisen heimgesucht. Sollte der "UFO-Tatort" von
1996 die Kreismacher inspiriert haben, nahe dem Drehort
Ludwigshafen Spuren im Korn zu hinterlassen?
Lesen Sie den Bericht von Uwe Engelmann.
Am
9. Juli 1997 erhielt ich per e-mail einen Hinweis auf eine WebPage im Internet,
die eine Kornkreisformation ganz in meiner Nähe in Altrip in der Pfalz
beschreibt (
http://www.pfalz-info.de/aaa/aaanfang.html). Der Web-Server ist ein regionaler
Server, der Informationen über die Pfalz anbietet. Dort fand ich eine
Skizze der Formation. Der Web-Server berichtet: "In der Nacht, als
die Raumsonde 'Pathfinder' auf dem Mars landete, ist in der Vorderpfalz,
ca. 500 m vom Rhein bei Ludwigshafen, ein Kornkreis entstanden. Keine 50
m von der Kreisstraße Ludwigshafen nach Altrip ist in einem Roggenfeld
eine komplizierte geometrische Figur zu sehen. Die Halme in dem Roggenfeld
sind kreisförmig zu Boden gedrückt. Es sind 4 Kreise entstanden
mit seitlichen Ausformungen (siehe Skizze!). Das gesamte Feld ist ca. 100
x 200 m groß, hiervon nimmt die Figur ca. 40 m ein. Das Gelände
ist an zwei Seiten von Wald und an den anderen beiden Seiten vom Rheindamm
mit der Kreisstraße umgeben. Am Sonntag haben mehrere Personen die
Kornkreise besichtigt." [aus: http://www.pfalz-info.de/aaa/aaanfang.html].
Da es von Heidelberg aus nicht sehr weit ist, bin ich am gleichen Abend mit der Rheinfähre nach Altrip gefahren und habe die Formation besichtigt. In einer Linkskurve der Straße von Altrip nach Rheingönnheim fand ich aufgrund der guten Beschreibung von Pfalz-lnfo hinter einem Transformatorenhäuschen eine relativ komplexe Formation. Diese war von der Straße aus gut zu sehen und wohl auch schon gut besucht worden. Die Gesamtgröße der Formation, die ich grob mit Schritten ausgemessen habe, war ca. 40 m lang und bestand aus einem großen und zwei mittelgroßen Kreisen, in denen das Korn kreisförmig zu Boden gedrückt war. Die drei Hauptkreise waren im Uhrzeigersinn niedergelegt. Verbunden waren diese mit kleinen Kreisen, die gegen den Uhrzeigersinn umgelegt waren. Der Gang zwischen dem kleinsten der drei Hauptkreise stellte sich ebenfalls als Kreis heraus. Ich hatte den Ausdruck der Web-Seite im Auto gelassen und zeichnete die Formation aufgrund meiner eigenen Beobachtungen. Ich benötigte ca. eine Stunde, um mir einen Überblick über die Formation zu beschaffen und eine Skizze mit groben Maßen in Schritten anzufertigen. Meine Skizze wich etwas von der Skizze von Pfalz-Info ab. Ich hatte vor allem die Skizze auf den Kopf gestellt, da ich sie so gezeichnet hatte, wie man sie von der Straße aus sieht. An den Ausläufern gab es hier und da Unterschiede in den Details.
Ich habe eine Beschreibung mit der Skizze am folgenden Tag in den FGK-Server eingebaut. Dabei habe ich - ohne selbst darauf zu achten die Angabe der Pfälzer übernommen, daß es sich um Roggen handelt. Später wurde diese Angabe bezweifelt. Ein Kollege brachte mir daraufhin einige Ähren aus der Formation mit, und ich mußte feststellen- daß es sich tatsächlich um noch nicht ausgereiften Weizen handelte. (Daraus kann man nur lernen, daß man doch nur beschreiben sollte. was man mit eigenen Augen und bewußt selbst beobachtet hat.) Während der Zeit, in der ich mich in der Formation aufhielt, kamen einige Leute, um ebenfalls die Formation zu besichtigen. Ein lokaler Radiosender hatte über diese Formation berichtet. Außerdem erfuhr ich, daß am Nachmittag "Wissenschaftler" da waren, die das Feld untersucht haben sollen. Nach meinem Wissensstand waren es keine aktiven FGK-ler aus der Umgebung.
Das Entstehungsdatum selbst ist etwas umstritten. Das Datum 4./5. Juli stammt von dem Ehepaar, das die Formation an Pfalz-lnfo weitergegeben hat. Gerüchten zufolge ist die Formation bereits eine Woche vorher dort gewesen.
Die Gretchenfrage "echt oder falsch?" kann und will ich nicht beantworten. Trotzdem hier ein paar Antworten auf die unvermeidlichen Fragen: Es gab Halme, die gebrochen waren und es gab auch nur gebogene. Kompaßanomalien oder etwas anderes ist mir nicht aufgefallen.

Ich kann den Zustand nur mit den Formationen vergleichen, die ich 1996 in England vor Ort besichtigt habe (z.B. Julia Set). Der Altriper Kreis konnte mit der Qualität der englischen Formationen nicht mithalten: Die Halme waren relativ unregelmäßig umgelegt und zum Teil auch schon wieder aufgerichtet, so daß man den Eindruck hatte, daß das Korn nur relativ flüchtig und kurzzeitig niedergedrückt worden war. Viele Halme zeigten in die falsche Richtung. Die Details wirkten an manchen Stellen sehr unsauber (siehe Bild!) Das kann aber auch am Alter der Formation gelegen haben. Nach einer Woche und vielen Besuchern leidet die Qualität sicher. Außerdem hatte es in den letzten Tagen heftig geregnet.
Insgesamt war mein Eindruck, daß die Kreismacher, wer immer sie auch waren, doch viel Mühe verwendet haben müssen, um etwas in das Korn zu bekommen, für das ich eine Stunde brauchte, um es nur grob maßstabgerecht zu skizzieren. Das waren sicher keine Besoffenen, die das im Vorbeigehen gemacht haben. Falls die Formation von Menschen stammt, setzt es schon eine Planung und ein Team von mehreren Leuten voraus, die mit Werkzeug arbeiten. Trotzdem war das Ergebnis nicht perfekt. Ob nun Hoaxer oder "Aliens" - meiner Meinung nach waren das noch Anfänger.
Erstveröffentlichung im FGK-Report # 3/97