England 1997: Wieder hin gefahren aber nicht näher gekommen
Uwe Engelmann, FGK (Webmaster)

Uwe Engelmann

Daß eine Reise ins Land der Getreidekreise zu einem unvergeßlichen Abenteuer werden kann, ist bereits bekannt.
Uwe Engelmann schildert hier seine Eindrücke und Erlebnisse aus einer Woche Kornkreisurlaub.

 

Dieses Jahr war ich zum zweiten Mal in England. Ich habe dort eine knappe Woche (28. Juli bis 3. August 1997) verbracht. Wie im vergangenen Jahr, bin ich von Frankfurt aus nach Heathrow geflogen (Sommer-Sparangebot der LH). Dort habe ich mir einen kleinen Leihwagen genommen, um vor Ort mobil zu sein. Denn ohne Auto hat man kaum die Möglichkeit zu den Kornkreis-Formationen zu kommen. Ich habe im Merlin Hotel in Marlborough (Wiltshire) gewohnt. Das ist ein relativ preiswertes, gemütliches Hotel. Es ist strategisch günstig gelegen. Die meisten Formationen in Wiltshire lassen sich von hier aus schnell erreichen.

Vorbereitung: wo sind die KK-Formationen?

Ich habe mich bereits zu Hause auf die Reise vorbereitet, indem ich die aktuellen England- Berichte über Kornkreise im Internet durchgestöbert und ausgedruckt mitgenommen habe. Der Crop Circle Connector ist der W3- Server der Wahl [http://cropcircleconnector.com/anasazi/connect.html]. Von der FGK-Homepage [http://www.fgk.org] gibt es einen Link dort hin. Die Autoren Stuart Dike und vor allem Mark Fussel haben dieses Jahr sehr viel Mühe verwendet, immer auf dem Laufenden zu bleiben. So hatte ich schon in Deutschland einen guten Überblick über die wichtigsten Formationen und konnte meine KK- Besichtigungstour ein wenig planen. Im Rahmen meiner eigenen FGK-Internet-Aktivitäten hatte ich per e-mail vorher schon mehrmals Kontakt mit Mark Fussel und Steve Alexander (s.u.) und so auch noch Informationen aus erster Hand bekommen. Die wichtigste Informationsquelle vor Ort ist und bleibt natürlich das Barge Inn in Alton Barnes.

Der ultimative Croppie-Pub: Das Barge Inn in Alton Barnes

Im "Barge" hängen eine Menge "Croppies" herum, die auf dem aktuellen Stand sind. Außerdem gibt es jetzt im sog. Pool Room ein schwarzes Brett mit zwei großen Pathfinder- Karten, auf der (fast) alle Formationen eingezeichnet sind. Seit diesem Jahr hat auch Peter Sørensen, ein Amerikaner, der von den meisten Formationen schwarz/weiß- Zeichnungen anfertigt, eine eigene Pinnwand. Auf Peters Wand findet man neben den Zeichnungen auch kurze Beschreibungen der Formationen. Jede Menge Luftaufnahmen runden das Bild ab. Die Fotos sind meist von Steve Alexander gemacht, der inzwischen mit KK-Postkarten, Postern und Kalendern Geld mit den Kornkreisen verdient. Auch Peter Sørensen verdient Geld mit seinen Zeichnungen, die er auf einem Computer erstellt und selbst druckt. Eine A4-Ausdruck auf Schreibmaschinenpapier kostet 3-6 DM. Es heißt, daß seine Sommeraufenthalte von einem amerikanischen Sponsor finanziert werden, der im Gegenzug sofort informiert werden will, wenn Außerirdische gelandet sind.

    

große Bilder: Der neu gestaltete "Croppies Room" im Barge Inn
kleines Bild: Der Künsteler Vince Palmer, der die Gestaltung des Raumes durchgeführt hat
Fotos: © Harald Hoos

 

Der Pool- bzw. Croppies Room wurde gerade von einem örtlichen Künstler an der Decke mit mystisch-phantastischen Kornkreismalereien verschönt. So entsteht aus dem informellen Treffpunkt im Hinterzimmer langsam ein magisches (oder kitschiges?) Mekka der Kornkreis-Pilger. Fast jeden Tag waren Kleinbusse unterwegs, die Pauschaltouristen von Bath oder London aus ins Barge und zu den aktuellen Formationen karrten. "Crop Circle Tours" oder "Astral Reisen" heißen solche Rundfahrten.

 

Die wichtigen Großformationen in Wiltshire

Aber nun zu den Kornkreisen selbst: Es gab einige große Formationen dieses Jahr in Wiltshire. Bis zu meiner Abreise hatte der Crop Circle Connector 23 neue Formationen gemeldet. Weitere folgten nach meiner Abreise. Zur Zeit (Anfang Sept.) listet der Connector 59 Formationen für diese Saison in Südengland auf. Als ich dort war, konnte man folgende Formationen in noch relativ gutem Zustand ansehen:

· "Koch Snowflake" oder "Fractal Star of David" zwischen Silbury Hill und Avebury (gemeldet am 23. Juli 1997); Durchmesser ca. 85 m: Dies war die erste Formation, die ich vor Ort besichtigt habe. Die Grundform basiert auf dem Davidsstern, der an den Spitzen mit weiteren Dreiecken versehen war. Rund um diese eckige Formation waren 126 Kreise in zwei verschiedenen Größen angeordnet. Bis auf zwei Kreise, die auf den Spitzen der zwei Hauptdreiecke saßen, waren alle Kreise im Uhrzeigersinn orientiert. Der zentrale Bereich war flach. Dabei waren die Halme abschnittsweise in bestimmte Richtungen gelegt und ergaben damit eine sehr schönes Muster, das besonders bei der Betrachtung aus der Luft gut zur Geltung kommt. Diese große Formation war wirklich hervorragend in der Qualität und sehr ästhetisch. Die ersten Besucher schilderten, daß das Korn wie eine leicht wellige Wasseroberfläche wirkte und daß die umgelegten Halme wie ein dicker Teppich aussahen.

· "Torus", gemeldet am 11. Juli 1997, am Woodborough Hill, gegenüber dem East Field in Alton Barnes; ca. 100 m Durchmesser: Die Formation wird von einem zentralen Kreis mit niedergedrücktem Korn und zwölf großen Ringen um diesen herum gebildet. Das ganze wirkt aus der Luft, wie ein 3- dimensionaler Torus. Andere sehen darin ein heiliges Symbol, das in der Kabbala unser KA, also unsere Lebensenergie darstellt. Das Korn war perfekt gelegt und vermittelte den Eindruck fließenden Wassers. Am Feldrand steht ein Pferdewagen, der als Kassenhäuschen dient. Der Eintritt kostet 1,50 Pfund. Als ich dort war, hat Lucy Pringle mit den Farmer-Kindern den Eintritt kassiert und nebenbei ihre Postkarten verkauft. Außerdem verteilte sie Fragebögen, mit denen sie von den Besuchern gemachte Erfahrungen im Feld erfaßt, um sie wissenschaftlich auszuwerten. Im Feld traf ich zufällig auf Marianne Krüll, die diesen Sommer Kornkreisbilder in Bonn und Oelshausen ausgestellt hat.

· "Frightful Flower of Life" im East Field von Alton Barnes: Entstanden am 31. Juli 1997: Diese "schreckliche Blume des Lebens" mit einem Durchmesser von ca. 30 m Durchmesser wirkte im Vergleich zu den anderen Formation der Saison sehr schlampig und unvollständig. Peter Sørensen, der amerikanische KK- Zeichner, hatte große Probleme diese irreguläre Formation mit dem Computer zu zeichnen. Alle teilen seine Meinung, daß es eine Schande ist, daß das East Field (nach den grandiosen Formationen vergangener Jahre) so einen enttäuschenden Versuch beherbergen muß.

· "Star of Bethlehem", gemeldet am 13. Juli, in Bourton bei Bishops Cannings, Durchmesser ca. 50 m: Diese Formation war ebenso perfekt, wie der Davidstern vom Silbury Hill und der Torus am East Field. Der Besitzer hat am Feldrand eine Sammelbüchse für Eintrittsgelder aufgehängt. Er verspricht, daß ein Teil des eingesammelten Geldes für einen guten Zweck gespendet wird.

· "Fahrradfelge" am Cley Hill in Warminster. Entstanden am 14. Juli 1997: Der Cley Hill ist durch UFO-Sichtungen in den 60er und 70er Jahren bekannt geworden. Die runde Formation mit einem Durchmesser von ca. 70 m entstand aus einem einfachen Kreis mit ca. 10 m Durchmesser, der bereits ca. eine Woche alt war. Der äußere Kreis umschließt ein gleichseitiges Sechseck. 18 Pfade - oder "Speichen" - lassen das Ganze wie eine Fahrrad-Felge aussehen. 12 der Pfade bilden Tangenten am zentralen Kreis. Die restlichen Pfade gehen durch den Mittelpunkt der Formation. Die umgelegten Halme bildeten mehrere Ebenen, die in verschiedene Richtungen gelegt waren.

Diesen Formationen war gemeinsam, daß sie alle relativ groß und kompakt waren. Der Grundriß war mehr oder weniger kreisförmig im Gegensatz zu den aus vielen Einzelkreisen zusammengesetzten Formationen im letzten Jahr (z.B. Julia Set). Obwohl sie doch verschieden waren, wirkten sie alle verwandt. Bis auf die dilettantische Formation im East Field waren sie alle perfekt gemacht und strahlten für mein Empfinden eine gewisse Kraft aus.

Die o.g. Formationen habe ich bis auf die "Fahrradfelge" von Cley Hill besucht und mich jeweils mehrere Stunden) darin aufgehalten. Mehrmals habe ich Schwindelgefühle gehabt, die nach wenigen Minuten wieder verschwunden sind.

Über die Kornkreise fliegen

Einen vollständigen Eindruck von der Geometrie und Schönheit der Formationen erhält man erst, wenn man sie aus der Luft sieht. Deshalb habe ich mit zwei Kornkreis-Bekannten ein kleines Flugzeug gemietet. Der Pilot heißt John Gibbs und handelt tagsüber mit Supermark-Kassen. Er hat eine 4-sitzige Maschine auf dem kleinen Flugfeld "Draycot Farm" südlich von Swindon. Die Flugstunde kostet 60 Pfund (z.Zt. ca. 200,- DM). Unser Flug hat uns bis zum Cley Hill gebracht und wir haben dabei auch noch ein paar andere Formationen aus der Luft besichtigen können. Ich habe zwei Filme verknippst. Aber leider waren die meisten Fotos unscharf. Wir sind relativ spät bei bewölktem Wetter geflogen und ich hatte nur Filme mit einer Empfindlichkeit von 100 ISO. Ich kann nur wärmstens empfehlen, empfindlichere Filme zu benutzen. Nicht nur das Licht war verantwortlich für die Unschärfen, sondern auch die Geschwindigkeit des Flugzeugs, bei dem die Flügel unterhalb der Kanzel angebracht sind. Daher muß der Pilot immer enge Kurven, ja fast im Sturzflug fliegen, um den Fotografen in eine günstige Position zum Fotografieren zu bringen. Das macht unheimlich Spaß - vorausgesetzt, daß einem dabei nicht schlecht wird (wie meinen beiden Begleitern).

Hubschrauber jagt rotes Licht

Es gibt aber nicht nur etwas über die spektakulären Großformationen zu berichten. Am zweiten Abend bin ich auf den Wanderparkplatz am Knapp Hill gefahren, um mir von dort den Torus anzusehen. Dort sah ich nicht nur eine schöne Formation, sondern wurde gemeinsam mit zwei deutschen Kornkreis- Bekannten Augenzeuge einer Verfolgungsjagd von einem Hubschrauber und einem blinkenden roten Licht (s. Extrabericht: Hubschrauber jagt rotes Licht über dem East Field). Obwohl wir kein großes Aufheben von dem Ereignis machten, sprach es sich trotzdem herum wie ein Lauffeuer. Am folgenden Mittag im Barge wußte bereits jeder davon und wir wurden fast genötigt das Video vorzuführen, das wir in der Nacht aufgenommen hatten. Plötzlich war der Pool Room so voll, daß man kaum noch ein Bein auf den Boden bekam.

Zwei unscheinbare, aber interessante Formationen

Im Barge erzählte am Abend eine Amerikanerin, daß sie südlich von Liddington eine große Formation in der Art des Julia Sets (1996) entdeckt habe. Sie wußte aber nicht mehr genau wo, da sie sich mit dem Auto verfahren hatte. So fuhr ich am nächsten Morgen (1. August) Richtung Swindon/Liddington und hielt Ausschau nach Kornkreisen. Dabei entdeckte ich südwestlich von Chiseldon einen Kreis in einem Weizenfeld am Hang. Dem Anschein nach war ich einer der ersten, die in ihm waren. Er hatte einen Durchmesser von etwa 20 m. Die äußere Form war ein Kreis, aber die Lagerungen der Halme ergab ein komplexes Muster. Der Rand des Kreises wurde von einem knapp einem Meter breiten Pfad im Uhrzeigersinn gebildet. Das Innere des Kreises wurde von einer Spirale gebildet, die ca. 1,5 m vom geometrischen Zentrum versetzt war. Ausgehend vom Zentrum floß das Korn in zwei entgegengesetzte Hauptrichtungen. Es bildete die Form des Yin und Yang Symbols. An der Grenze zum schon beschriebenen Rand, waren die Halme büschelweise miteinander verflochten. Unter den Halmen konnte ich zwei (entgegengesetzte) Pfade erkennen, die ausgehend vom Zentrum des Musters zum Rand verliefen. Das Muster war sehr kunstvoll und fast perfekt. Auffällig fand ich verschiedene stehen gebliebene Halme, um die die Halme der Umgebung "herumflossen". Es gab auch diverse Halme, die ca. 10 cm unter der Ähre abgeknickt waren.



oben: Die Formation bei Chiseldon
unten: Halmlagerung in der Formation
Fotos: © Uwe Engelmann

Nach einer halben Stunde im Kreis wurde mir für einige Minuten ein wenig schwindlig. Nachdem ich ca. eine Stunde im Kreis verbracht hatte, kam ein Trupp von sieben deutschen Kornkreisforschern an (u.a. Andreas Müller und Jens Rowold). Ich habe mit meiner Videokamera aufgenommen, wie sich die Gruppe dem Kreis näherte und stoppte die Aufnahme bevor sie im Kreis waren. Wenige Minuten später wollte ich weiter filmen. Aber es ging nicht. Mein Akku war ohne Ankündigung plötzlich leer. Ein anderer Besucher hatte ebenfalls eine Videokamera mit. Diese funktionierte noch. Auch funktionierte meine Kamera mit seinem Akku. Normalerweise bekommt man, bevor der Akku vollständig leer ist, eine Warnung im Sucher angezeigt. Diese Warnung hatte es diesmal nicht gegeben. Außerdem hätte der Akku auch noch mindestens zehn Minuten halten müssen. Von solchen spontanen Entladungen in Kornkreisen hatte ich schon öfter gehört. Interessant ist, daß der andere Akku nicht entladen war.

Ein ausführlicher Bericht des Autors über diese Formation in englisch befindet sich im Crop Circle Connector in England.

Diesen Kreis hatte ich von der A346 (Richtung Norden) beim Fahren entdeckt. Ich hatte den Eindruck, daß ich noch einen zweiten Kreis gesehen hatte und fuhr deshalb einen kleinen Hügel hinauf Richtung Süden. Von dort sah ich tatsächlich eine Formation in einer Mulde liegen, die allerdings von der A346 aus nicht zu sehen ist. Ich sah mir die Formation zunächst vom Feldrand aus an. Dann kam ein Farmarbeiter, den ich nach der Formation befragte. Er sagte sie sei am vergangen Wochenende entstanden. Er würde jeden Tag am Rande des Feldes bei ein paar kleinen Scheunen arbeiten und hätte bisher niemanden gesehen, der in der Formation war. Er gab mir die Erlaubnis hinein zu gehen. Ich fand zwei Kreise, die durch einen Kreisbogen miteinander verbunden waren (s. Bilder und Bericht im Connector: [http://alpha.mic.dundee.ac.uk/ft/crop_circles/1997/ liddington97b.html].

Der eine Kreis hatte einen Durchmesser von ca. 25 m und der andere ca. 15 m. Der verbindende Kreisbogen hatte eine Breite von ca. 1,50 m und eine Länge von ca. 120 m. Der große Kreis hatte eine sehr schöne Spirale, deren Zentrum nicht im Mittelpunkt des Kreises lag. Sie verlief im Uhrzeigersinn und ging am Rand in den verbindenden Kreisbogen über, der tangential in den kleineren Kreis überging. Dieser war gegen den Uhrzeigersinn orientiert.

Obwohl die Formation ca. 4-5 Tage alt war und es an den vergangenen Tagen auch ein wenig geregnet hatte, machte sie noch einen perfekten Eindruck. Die Halme waren nicht zertrampelt, sondern lagen waagerecht ca. 10 cm über dem Boden und bildeten, ähnlich wie in dem Nachbarkreis einen "dicken Teppich".

Foto: © Uwe Engelmann

Erste Erfahrungen mit Wünschelruten

Nach ca. einer Stunde im Kreis tauchte am Feldrand ein Wagen auf, aus dem ein Mann und eine Frau stiegen und die dort eine kleine Mittagspause machten. Als sie in das Feld kamen, erkannte ich, daß es sich um die beiden Holländer Bert Janssen und Janet Ossebaard handelte. Ich hatte das Paar vorher schon im Barge getroffen (die beiden haben mehrere holländische Formationen fotografiert, untersucht und im Internet bekannt gemacht). Janet untersuchte die Formation mit zwei Wünschelruten und spürte dabei Anomalien auf. Ich hatte noch nie ein Wünschelrute in der Hand gehabt und fragte sie deshalb, wo sie das gelernt habe. Darauf erzählten die beiden, daß sie die Routen (2 gebogene dicke Kupferdrähte) erst vor zwei Tagen im Avebury gekauft hätten. Von verschiedenen Leuten haben sie ein wenig über die Technik gehört. Sie zeigten mir kurz, wie man die Dinger benutzt und ließen sie mir da als sie gingen, damit ich in Ruhe allein üben konnte.

So nahm ich die beiden Kupferdrähte in die Hand und lief die Traktorspur entlang, die den kleineren Kreis kreuzte. In der Traktorspur im Kreis zeigten beide Ruten in meine Laufrichtung. Am Rand des Kreises folgte die rechte Rute dem Verlauf des Kreisrandes. Diesen Effekt konnte ich an allen vier Kreuzungspunkten der Traktorspuren mit dem Kreisrand immer wieder reproduzieren. Sowohl beim Betreten als auch beim Verlassen des Kreises. An allen Punkten schlug jeweils nur die rechte Rute aus. Ich war total beeindruckt von diesem unerwarteten Effekt. So ging ich in den größeren Kreis und machte den gleichen Versuch. Ich ging am Rand des Kreises in einer Traktorspur los. Nun zeigte die rechte Route an allen Positionen zum Zentrum des Musters, das nicht dem geometrischen Zentrum entsprach. Noch knapp außerhalb des Kreises zeigte die rechte Rute nach schräg rechts hinter mir auf die Mitte. Nun drehte ich mich in der Traktorspur um und ging zurück. Ich hatte erwartet, daß nun die linke Rute, die dem Zentrum näher war, dorthin zeigen würde. Das tat sie aber nicht! Statt dessen zeigte weiterhin die rechte Rute dorthin und kreuzte dabei die linke Rute, die brav in die Richtung der Traktorspur zeigte. Wo ich mich auch im Kreis aufhielt: Die rechte Rute zeigte konsequent zum Zentrum der Spirale! Ich spürte regelrecht eine Kraft, die die Rute in die Richtung zog. Außerhalb des Kreises nahm diese Kraft sehr schnell ab und die Rute zeigte wieder in die Richtung der Traktorspur, was im "normalen Feld" der entspannten Ausgangslage entspricht. Im Kreis spürte ich allerdings auch eine, wenn auch schwächere, Kraft, die die linke Rute in Richtung der Traktorspur ausrichtete.

Ich bin mir ganz sicher, daß es keine zufälligen Ausschläge waren. Ich habe auch außerhalb dieser Formation mit den Ruten experimentiert. Aber dabei nie so etwas ungewöhnliches bemerkt, wie in den beiden Kornkreisen. Ungewöhnlich erscheint mir die Tatsache, daß immer die rechte Rute von der "normalen Richtung" abwich. Auch die unterschiedlichen Reaktionen in den beiden Kreisen sind bemerkenswert. Ob das vielleicht etwas mit der Links- bzw. Rechts-Orientierung der Spiralen zu tun hat?

Abends im Barge habe ich Bert die Ruten mit Bedauern wieder zurück gegeben. In der nächsten Saison möchte ich mich weiter mit dieser Thematik beschäftigen, da ich am eigenen Leib diese Kraft gespürt habe.

Das Glastonbury Symposium

Am nächsten Tag fuhr ich nach Glastonbury. Das ist ein kleiner Ort südwestlich von Bath an der Ostküste Englands. Er ist vor allem durch die Artus-Sage bekannt. Hier befindet angeblich sich das Grab von König Artus. Auch der heilige Gral soll hier vergraben worden sein. Heute ist der kleine Ort ein Pilgerort der New-Age- Anhänger. Glastonbury ist in der englischen Kornkreisszene allerdings eher wegen seines seit 1991 jährlichen Kornkreis-Symposiums bekannt. Es gilt als das wichtigste Treffen der englischen Kornkreisforscher. Ich war eigentlich nur zufällig gerade in dieser Woche in England und nutzte die Gelegenheit, um diesen Event ein wenig kennenzulernen.

Ich kam am zweiten von drei Veranstaltungstagen am späten Vormittag an. Die volle Teilnahmegebühr betrug 65 engl. Pfund (ca. DM 200,-), was ich recht üppig fand. Tageskarten gab es für 25 Pfund und Einzelvorträge für 5 Pfund. Das Symposium wird von Roland Pargeter veranstaltet. Pargeter war früher Glastonbury-Fremdenführer und Bildhauer und ist heutzutage wohl hauptsächlich Veranstalter. Nach meiner Schätzung waren ca. 400-500 Menschen in den alten Assembly Rooms, die der Veranstaltung einen tollen Rahmen gegeben hat. Allerdings war ich doch von der Zusammenstellung der Vorträge und der Wissenschaftlichkeit überrascht. Die Themen der Vorträge reichten von Feng Shui, UFOs, alternative Medizin, über spirituelle Themen bis hin zu Vorträgen über das KK-Phänomen selbst. Für meinen (subjektiven) Geschmack waren die "Randthemen", die manchmal überhaupt nichts mit Kornkreisen zu tun hatten, überrepräsentiert. Ein Beispiel dafür ist der Vortrag von Turan Rifat gewesen, der sich selbst als den besten "Remote Viewer" Europas bezeichnet und eine Stunde lang im Plenum einen Werbevortrag für seine Kurse im Remote Viewing geben durfte. Der Bezug bei Rifat zu den Kornkreisen war, daß die KK-Forscher mit dieser Technik "sehen" könnten, wie die Kreise entstehen. Außerdem habe ich die Vorträge von Michael Glicksman, Wolfgang Schindler (FGK-Mitglied, Hamburg) und Jens Rowold (FGK-Mitglied, Münster) gehört, die sich erfrischender Weise mit der Geometrie und generellen Konstruktionsprinzipien der KK-Formationen befaßten. Ich würde die Vorträge von Jens und Wolfgang gern noch mal auf einer FGK- Veranstaltung hören oder einen Artikel darüber im FGK-Report lesen. Einen schönen und wahrscheinlich fast vollständigen Überblick über die Formationen der 97er Saison gab Karen Douglas (Lebensgefährtin von Steve Alexander) in ihrem Diavortrag. Zum Abschluß zeigte sie drei Videos, auf denen fußballgroße Lichtobjekte in Kornfeldern und Kornkreisen "herumflogen".

Zeit für weitere Vorträge (z.B. von Kyborg und Koch) hatte ich leider nicht. So habe ich noch einen Blick in die Kellerräume geworfen, in denen der Kornkreis-Kommerz seinen jährlichen Höhepunkt findet: KK-Bilder als Postkarte, Kalender, wahlweise von Steve Alexander oder Lucy Pringle. Mit KK verzierte Kugelschreiber, Kaffeebecher, Haarspangen, T-Shirts, Sweatshirts, Batik-Wickelröcke oder auch Schmuck wurde angeboten. Manche Vortragende boten die schriftliche Version ihres Vortrags zu stolzen 20 Pfund (DM 60,-) an. Hier könnte man sich auch reichlich mit esoterischer und KK-Literatur eindecken.

Mein persönliches Resümee der Tagung: Das Programm war sehr weit gestreut. Die Vorträge über 60 Minuten waren zu lang. Erst recht, weil keine Diskussionen und somit auch keine kritische Auseindersetzung des Publikums mit den Vortragenden geplant oder erwünscht war. Es gab keinen Tagungsband, in dem man die Vorträge nachlesen und vertiefen konnte. Die Veranstaltung ist insgesamt gesehen ein interessanter und bunter Event. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Kornkreisphänomen hat allerdings, zumindest in der Zeit, in der ich dort war, nicht stattgefunden. Statt dessen konnte ich sehen, daß hier viele Leute versuchen Geld zu verdienen. Warum auch nicht? Schade ist nur, daß dies nicht die wissenschaftliche Tagung über Kornkreise war, als die sie mir vorher dargestellt wurde.

Von Glastonbury aus bin ich direkt nach Heathrow gefahren, wo ich am nächsten Morgen um 7 Uhr wieder zurückgeflogen bin.

Fazit

Das Fazit meiner Reise: Es hat sich gelohnt! Leider bin ich einer Erklärung des KK- Phänomens nicht näher gekommen. Eigentlich hat die Reise nur bestätigt, daß es die Formationen tatsächlich gibt, daß sie sehr ästhetisch sind und wohl etwas mit Mathematik und (Meta-?) Physik zu tun haben. Die tolle Landschaft, die netten "Eingeborenen" und die manchmal verrückten, aber liebenswerten Croppies aus aller Welt, machen eine solche Reise auf jeden Fall lohnenswert.


Erstveröffentlichung im FGK-Report # 3/97