Fünf Jahre FGK -

ein Resümee

von Ulrike Kutzer
mit Bildern aus der Saison 1996 © Ralf Selsam



In dem Chaos Kornkreisforschung einen sinnvollen
und gangbaren Weg zu finden ist oftmals nicht so leicht.
Ulrike Kutzer wirft in ihrem Resümee Fragen auf,
spricht immer wiederkehrende Probleme an und legt dar,
wie die FGK richtungsweisend arbeiten kann.


Spätestens als seit 1989 die eindrucksvollen Langpiktogramme aus Englands Feldern durch die Weltmedien gingen, war man auch in Deutschland auf das Kornkreisphänomen aufmerksam geworden. 1991 wurden, damals auf Initiative der AAS, erstmals Gruppen nach England entsandt, die während der Sommenwochen den unerklärlichen Kreismustern nachspüren sollten.
Groß war die Begeisterung und die Vorstellung, diesem endlich einmal konkret erfaßbaren Ereignis mit allen erdenklichen wissenschaftlichen Meßmethoden zu Leibe zu rücken und dem lange erwarteten kosmischen Fingerabdruck auf der Spur zu bleiben.
Im Oktober 1991 gab es die erste konstituierende Sitzung, der Verein FGK wurde gegründet und nach der Aufnahme von weit mehr als 100 Mitgliedern 1992 offiziell ins Leben gerufen.
Die Vorgehensweise war klar: Man wollte, neben der möglichst vollständigen Dokumentation des Phänomens, mit wissenschaftlichen oder zumindest wissenschaftlich orientierten Methoden herausfinden, was die Muster in den Getreidefeldern allsommerlich verursachte. Klar war allerdings auch, daß beim Herangehen an das Unerklärliche streng orthodoxe Methoden unter Umständen nicht ausreichen mochten und man gegebenenfalls auch weniger populäre und weniger anerkannte Möglichkeiten zur Erforschung heranziehen würde. Wie anders sollte es auch sonst sein, wollte man sich nicht selbst dem Vorwurf der Borniertheit aussetzen, mit dem man die herkömmliche Wissenschaft gerne überzog.

Totgesagte leben länger...

Die Versammlungswochenenden der ersten Jahre waren sehr gut besucht, die Bereitschaft zu aktiver Mitarbeit war groß, und so wurden in den Jahren '92,'93 und '94 Forschungsteams zusammengestellt, Fahrten nach England organisiert, Kontakte zu englischen Forschergruppen hergestellt, wissenschaftliche Projekte entwickelt, durchgeführt, ausgewertet und im Plenum diskutiert. Eine spannende, produktive Zeit voll von Ideen, Anregungen, Meinungsaustausch...

Im Jahr 1993 wurde durch ein wissenschaftliches Projekt der FGK der angebliche Nachweis einer amerikanischen Forschergruppierung, daß in Getreidehalmen aus Kornformationen feinstoffliche Veränderungen aufträten, nachhaltig widerlegt. Durch einen Feldversuch wurde ebenso nachgewiesen, daß die spezifischen Halmlagen des umgelegten Kornes eine natürliche Folge der Umlegung sind. Auch Magnetfeldmessungen erbrachten bis zum heutigen Tag kein Ergebnis, das die Verursachung der Kornkreise zu erhellen vermag. Doch die FGK entwickelte Profil: offen gegenüber dem Phänomen, mit all seiner Vielfalt, aber - anders als manch andere Gruppierung - kritisch und exakt in seiner Erforschung.
So war es nur eine Frage der Zeit, daß auch in der FGK jener Erklärungsansatz zum Thema wurde, der seit den Enthüllungen von Fälscheraktivitäten im Herbst 1991 in der internationalen Kornkreisszene, ungeliebt aber unausrottbar, kursierte: Die Kornkreise sind Menschenwerk!
Abgeschwächter zwar als in England, aber dennoch deutlich spürbar wurde auch die deutsche Kornkreisgemeinde vom Schock dieser Erkenntnis erfaßt. Viele der einstmals gültigen Beweise hatten ihre Stichhaltigkeit verloren und mußten neu überdacht werden. Ernüchterung trat ein. Besonders aus wissenschaftlicher Sicht war die Beschäftigung mit Kornkreisen unter der Prämisse der menschlichen Machbarkeit unergiebig geworden und lohnte nicht mehr. Die Gefahr sich lächerlich zu machen war höher, als jeder Erkenntniszuwachs. Für jene Repräsentanten war das Phänomen gelöst. Austritte waren die Folge. Die Mitgliederzahl der FGK sank von etwa 300 auf unter 200.
Doch auch die verbleibenden Mitglieder steckten in der Sinnkrise. Selbst wenn man davon ausging, daß nicht alle Kreise von Menschen gemacht worden waren und ein unerklärbares Restphänomen verblieb, konnte dieses mit den Möglichkeiten, die zur Verfügung standen, noch erfaßt werden? Welche sinnvolle Arbeit verblieb? Oder andersherum gefragt: Konnte man das Phänomen im Lichte der neuen Erkenntnisse und der verbleibenden Möglichkeiten als gelöst abhaken?

Man konnte nicht! Zu viele Dinge blieben ungeklärt, zu viele Fragen unbeantwortet. Und die Vorstellung, das Phänomen als aufgeklärt zu den Akten zu legen, ließ ein Gefühl der Unzufriedenheit und Unrichtigkeit zurück.
Zum einen mußte man dem ungeklärten Restphänomen auf der Spur bleiben und danach trachten, Unterscheidungskriterien ausfindig zu machen. Ein schwieriges aber nötiges Unterfangen. Des weiteren gab es nach wie vor eine Fülle unerklärlicher Sekundärphänomene in Zusammenhang mit den Kornkreismustern.
Zum anderen waren zu den rein technisch-wissenschaftlichen Aspekten neue Bereiche psychologischer und soziologischer Art hinzugekommen.
Allein die Vorstellung von Menschen, die in den Sommermonaten Nacht für Nacht in die Felder gingen, um komplizierte Muster ins Getreide zu drehen, warf eine Fülle neuer Fragen auf. Warum taten sie dies? Reichte die Freude, andere an der Nase herumzuführen, als Erklärung dafür aus?
Die Behauptung, auch die komplizierten Kreismuster seien von Menschen herstellbar, ließ erneut Fragen unbeantwortet. Allen voran die Frage nach dem 'Wie'?
Es wurde klar: Die sonnigen Tage des Kornkreisphänomens waren vorbei. Die Sachlage war komplizierter geworden. Anerkennung, Beachtung, Lorbeeren konnte man offenbar nicht mehr gewinnen. Man brauchte einen längeren Atem, mußte kleinere Brötchen backen.
Nicht jedermanns Sache, in unserer schnellebigen Zeit die auf den schnellen Erfolg, die schnelle Mark konzipiert ist.
Was geblieben ist, ist ein kleiner Kern aktiver, ideenreicher, am Phänomen mit all seinen Schattierungen nach wie vor interessierter Personen, getragen von der stillen Masse der passiven FGK-Mitglieder.
Was ebenso geblieben ist, sind die Kornkreise, die im Jahr 1996 einmal mehr durch ungeahnt komplizierte und ästhetische Muster überraschten und nichts von ihrer Faszination verloren haben. Beobachtet man die Entwicklung genau, dann muß man davon ausgehen. daß auch in Deutschland wieder verstärkt Kreise erscheinen werden. Die Entwicklung dieses Jahres, vor allem in Norddeutschland, deutet dies an.

Jedem Menschen recht getan...

Kein Grund zur Klage, also. Spiegelt dieser Zustand doch die Befindlichkeit eines jeden Vereins wider, der nach der ersten Begeisterung in die Alltagsphase übergeht.
Dennoch ist es nicht immer leicht, all die unterschiedlichen Erwartungen, Wünsche und Bedürfnisse der Mitglieder zu erfüllen, ohne dabei die eigentliche Aufgabe und den Wissenschaftsanspruch aus den Augen zu verlieren. Gerade von den Wissenschaftlern unter den Mitgliedern mußte wohl so manche Kröte geschluckt werden. Als Trost und Hilfe seien sie daran erinnert, daß die belebenden Elemente für die Wissenschaft immer aus den Reihen der Außenseiter und den Grenzgebieten der jeweiligen Disziplin kamen. Mut zu unorthodoxen Gedanken oder Herangehensweisen an unerklärbare Aspekte des Lebens sollte daher immer ein Grundanliegen eines jeden Wissenschaftlers sein, der diesem Namen gerecht werden will. Und die FGK sollte sich verstehen als ein unabhängiges, selbstkritisches Forum, das Raum gibt für ungewöhnliche Betrachtungswinkel, ohne die Ebene wissenschaftlicher Grundlagen dabei außer Acht zu lassen.
Ein schwieriger Spagat, zugegeben. Aber durch unsere Frühjahrs- und Herbstversammlungen jedes Jahr und den FGK-Report gibt es eine gute Plattform des gegenseitigen Meinungsaustauschs und eben auch des kritischen Hinterfragens so mancher These. Das Schlüsselwort zu diesem Thema lautet 'Engagement': Ein kritischer Beitrag auf den Versammlungen oder ein zorniger Leserbrief nützt mehr als der Rückzug in beleidigtes Schweigen.

Nur durch dieses aktive Einbringen kann die FGK und mit ihr der FGK-Report als das Sprachrohr der FGK zu dem kritischen Forum werden, dessen kompetente und vielschichtige Auseinandersetzung mit den grenzwissenschaftlichen Themen unserer Zeit auch über den Vereinsrahmen hinaus Beachtung und Anerkennung findet. Und es ist kein vermessener Anspruch, die FGK zu einem Sammelpool von Informationen und letztlich einer Institution zum Thema Kornkreise und verwandte Themen zu machen, an der seriöse Gruppierungen und ernstzunehmende Medien nicht vorbeikommen. Wer, wenn nicht die FGK soll zumindest im Bereich Kornkreise wissen, was Sache ist? Zu dieser Kompetenz gehört auch die Anbindung an moderne Technologien, wie dies mit der FGK-Homepage im Internet bereits gelungen ist.
Die Arbeit der FGK kann immer nur so gut sein wie das ernsthafte Engagement ihrer Mitglieder und die kritische Beurteilung ihrer Tätigkeit. Und an Arbeit mangelt es der FGK nicht.



Erstveröffentlichung im FGK-Report # 4/96


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