Kornkreisforschung in Deutschland 1993

Am Beispiel Ostfriesland


von Jens Berkmann


Leider gibt es in Deutschland kein von den Kornkreis-Formationen bevorzugtes Gebiet, ähnlich dem englischen Hauptgebietum Alton Barnes, welches ständig durch Kornkreis-Forscher beobachtet wird. In England werden die Kreise sehr schnell entdeckt und auch bald von den unterschiedlichen Teams vor Ort untersucht. In Deutschland hingegen scheint es doch eher zufällig, daß Formationen überhaupt bekannt werden. Meist geschieht dies durch die im jeweiligen Gebiet ansässige Lokalpresse und bei viel Glück wird die Geschichte dann auch von Zeitungen mit etwas größerem Verbreitungsgebiet aufgegriffen.

Doch ehe die FGK von Formationen erfährt sind leider oft mehrere Tage vergangen. Direkte Meldungen von den Entdeckern an die FGK finden selten statt, da die Entdecker, wenn sie überhaupt je etwas über Kornkreise gehört haben, i. a. nicht wissen, an wen sie sich wenden können.

Dies macht die Untersuchungen der Formationen nicht unbedingt einfacher, zumal bei einer Untersuchung, die erst Tage nach der Entdeckung der Formation durchgeführt werden kann, meist nur noch Spekulationen über die Formation gemacht werden können. Was ist nach Tagen wirklich noch so, wie es war, als die Formation entstand und was wurde durch den Entdecker und spätere Besucher verändert ?

Vor diesem Hintergrund möchte ich hier von zwei Formationen berichten, die 1993 in Ostfriesland erschienen sind.

Am Montag, dem 26. Juli berichtete die in Hannover erscheinende Neue Presse unter der Überschrift 'Kreise im Kornfeld - War's ein Ufo oder Jux der Landjugend ?' über eine Kornkreis-Formation im ostfriesischen Dorf Schoonorth und in Zusammenhang damit auch von einer vermeintlichen UFO-Sichtung.
Dem Bericht der Zeitung zufolge soll ein Brotwagenfahrer am schummrigen Morgenhimmel einen grellen Lichtstrahl gesehen haben, der linear nach oben geragt habe und dessen oberes Ende sich kreisförmig bewegte. (Manch einen mag dies an die Beschreibung eines Disco-Lasers erinnern.)

Einen Tag Urlaub war mir die Sache dann doch wert, und so beschloß ich mir die Formation am nächsten Tag anzusehen. Doch wo um alles in der Welt liegt Schoonorth ? Ostfriesland - Gemeinede Krummhörn war in der NP zu lesen. Eine schnell beschafte brauchbare Karte von Ostfriesland zeigte dann auch tatsächlich den Ort - nördlich von Emden.

Also erstmal mit dem nächsten FGK-Mitglied in dem Raum Kontakt aufnehmen. Die Auswahl, welches Mitglied zu kontaktieren war fiel nicht alzu schwer, da im Umkreis von ca. 100 km nur ein einziges Mitglied in der FGK-Adressenliste aufgeführt war: Dr. Leiditz in Emden, also gar nicht so weit von der Formation entfernt.

In einem ersten Telefonat erfuhr ich von Dr. Leiditz, daß in einer Emdener Zeitung bereits am Wochenende von der Formation berichtet wurde und er diese am Sonntag ausfindig gemacht hatte. Es soll sich bei der Formation um einen einfachen Kreis handeln, vernahm ich aus dem Telefon - MOMENT MAL - in meiner Zeitung ist doch ein Foto der Formation abgedruckt, und was da zu sehen ist ist kein einfacher Kreis, sondern zwei Ringe, die verbunden zu seien scheinen. Gab es also zwei Formationen in der Gegend ?

Ich verabredete mich mit Dr. Leiditz für den nächsten Tag, damit wir die Formation(en) gemeinsam in Augenschein nehmen können.

Also machte ich mich am Dienstag Vormittag auf den Weg nach Ostfriesland. Der Wetterbericht sagte genau für das zu besuchende Gebiet für den Nachmittag Aufheiterungen voraus, während es im restlichen Norddeutschland regnen sollte. Am frühen Nachmittag hatte ich mich mit Dr. Leiditz in Emden getroffen und wir fuhren nun mit unseren Wagen zunächst zu dem einfachen Kreis.

Von der wenig befahrenen, etwas höher liegenden Straße aus wirkte der Kreis leicht eliptisch. Er lag nur wenige Meter von der Straße entfernt im Feld und schien schon älter zu sein.







Dummerweise hörte es, entgegen der Ankündigung aus den Wetterbericht, an diesem Nachmittag überhaupt nicht auch nur ein einziges mal kurz auf zu regnen, so daß wir beschlossen diesem Kreis zu diesem Zeitpunkt keinen Besuch abzustatten, sondern erst einmal die andere Formation zu suchen. Doch wir brauchten gar nicht lange zu suchen, denn die andere Formation lag direkt hinter der Straßenkreuzung in deren Nähe wir uns befanden, allerdings auch wieder in einem Feld, das etwas tiefer gelegen war als die Straßen, und von unserem ersten Standpunkt aus nicht einzusehen war.

Schon von der Straße aus erkannten wir, daß Wind und Wetter nicht ohne Spuren zu hinterlassen, über das Feld hinweggegangen waren. Die Halme standen nicht mehr senkrecht nach oben sondern waren deutlich zur Seite geneigt.






Und auch die Besucher hatten schon deutliche Spuren hinterlassen. Glücklicherweise war die Formation ansonsten aber nicht nennenswert von anderen Windlagerungen in Mitleidenschaft gezogen worden.
Diese Formation musste ich mir nun doch etwas näher ansehen, die Fahrt bis hier hoch war doch so weit, daß mich auch der starke Regen nicht vom Betreten der Formation abhalten konnte. Auch wenn nicht unbedingt ein Wetter zum Vermessen war, so wollte ich doch zumindest die noch erkennbaren Details festhalten, bevor Witterung und Besucher noch deutlichere Spuren hinterlassen.

Zur Formation:

Sie bestand aus zwei Ringen aus in Uhrzeigerrichtung gelagertem Weizen mit einem Durchmesser von Jeweils ca. 20 Metern, wovon einer zusätzlich einen Kreis in der Mitte aufwies. Die Lagerung in diesem Kreis war entgegen dem Uhrzeigersinn. Die Ringe waren durch einen kurzen Pfad miteinander verbunden. Hier wies die Lagerungsrichtung von dem Ring ohne Kreis zu dem Ring mit Kreis hin.

Einige interessante Details aus der Formation:






















Die Frage nach der 'Echtheit' der beiden Formationen kann ich nicht beantworten.




Die Erstveröffentlichung erfolgte im FGK-Report # 4/93


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